Sieben Schwäne, sieben Raben

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Manchmal träume ich von dir und weiß nicht, ob und wie wir uns verabschiedet haben, oder nicht. Im Traum sagen wir die Dinge, die man sagt, wenn jeder in ein anderes Leben geht, in eine andere Richtung.

Manchmal gehe ich, manchmal gehst du. Im Traum ist es nicht so wichtig, wie die Richtungen sich entfalten. Auch nicht im Leben. Du warst meine erste Liebe und ich war zehn. Kinderliebe zählt nicht. Kinderliebe zählt nie. Als ich achtzehn war, waren wir Freunde. Wie hartnäckig aber auch Kinderliebe ist. Kinderliebe gibt nie auf.

Du hast mir deine Sorgen erzählt, als du hungrig warst, und als ich hungrig war, hast du mich gefüttert. Es hat Streit gegeben deshalb; um eine wie mich gibt es immer Streit. Du hast mich verteidigt, all die Jahre lang, und meine Kinderliebe ausgehalten. Manchmal denke ich, ohne dich als Koordinate, als Namen an meiner Wand, als Chiffre in meinen weißen Seiten, hätte ich mich anders verloren. Wie gut es ist, die ersten Jahre, wenn das Gefieder noch so weich ist, sich einen Fixstern zu suchen, aber kein Ziel. Einmal haben wir versucht, in meine Richtung zu fliegen. Wie wir lachen mussten, du und ich und der Mond, über den falschen Kuss.

Und ich lese, dass du tot bist. Die Spuren waren so dünn, all die Jahre, aber jetzt ist da ein Bild, und ich sehe dein Lachen, und eine Gruppe hat sich da gefunden, als ob sie etwas suchen, deine Kinder vermutlich, und wie sie dich lieben, und wie sie über dich schreiben, und dich vermissen. Ich trage mich nicht ein. Was hätte ich schon zu sagen. Was hätte ich für ein Recht.

Und du bist tot. Ich würde gerne Musik hören, für dich, aber was hatten wir schon für Musik damals, die heute noch zählt, außer uns selbst.

Und du bist tot. Und ich schlafe schlecht eine Nacht, unter dem Mond, und am anderen Morgen habe ich es auch schon wieder vergessen, und erst jetzt fällst du mir wieder ein, abends.

Ich weiß nicht warum. So ist es wohl, mit Musik und mit Liebe. Sie fällt immer erst abends über einen her. Vielleicht ist sie einfach hungrig vom Tag und vom Licht, die Liebe, und die Musik.

Dark is just a time of day

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Hier, sagt sie, wie jedes Jahr, seit du tot bist. Hier hast du Gehen gelernt.

Sie denkt Bank, wie jedes Jahr. Weiße Bank.

Ich denke Lied, schwarzes Lied. Ich denke Federn, ich denke Kreuzung, ich denke kurz vor acht, jeden Morgen, ich denke Schule, ich denke Abend, jeden Abend, und ich denke Weglaufen, unter diesem Licht, ich denke Unsichtbarsein, unter diesen Bäumen. Ich denke Leben.

Es lohnt nicht, darüber zu streiten, wer Recht hat.

Schwarz gewinnt. Schwarz gewinnt immer. Schwarz singt. Weiß ist der Tod.

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Seven stones, seven seas.

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Die Dankbarkeit, die über allem liegt, über diesem zerrütteten 2011. Und ich sitze in einem chinesischen Garten hoch über dem Meer und verlache die Steine vor mir und alle Klischees und allen Glauben und  vor allem allen Stein gewordenenen Glauben und überhaupt alles, was mit versteinerten Gedanken zu tun hat. Und meine Hände denken anders, leben anders, wie immer, und sind schon dabei, Leben zu schaffen, aus dem, was sie finden, wie immer, immer noch, und als wir fertig sind, sind es sieben Steine, und ich lege eine Blüte auf meine Sieben, nur so, um die Ordnung zu brechen, und bin dankbar: Dass ich Regeln brechen kann, selbst meine eigenen. Dass ich wieder reise, reisen kann, reisen will, gegen alle Regeln, gegen alle Ängste. Ich bin dankbar für das Licht, das mich antreibt, das Licht am Meer, das Licht in meinen Krähenfedern, das Licht in den Städten, über den Brücken, das Licht in mir. My available light. Ich bin so dankbar, dass ich immer noch glücklich bin, wo viele nur zufrieden wären. 

2011. Das Jahr, in dem ich wieder glauben lernte. An mich. Und ein wenig, natürlich, wie immer, wie jedes Jahr, in dem es dich noch gibt, auch an dich.

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Nessun Dorma

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I ride with pathos. I ride the river bank and I sing aloud, and along, and for once, I do not whistle.

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I have so many more summer seas, but I needed one last snowbound, homebound ride with the birds. I needed to come home. I had to come back to the city. This is now. 

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And I ride through the first snow, and I sing a song for my boys to come join me. And will take each image as it comes, no edits. You do not edit love.

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And I call, and they come, and they answer my call, and the shy rooks come along, the winter guests, and so do the jackdaws, and I am embraced in a deep, dark, dense vortex of my own making. 

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I am embraced in a black cloud. I am turning this story into my own make believe.

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I love these birds. They are so rarely loved. They are so often used. Metaphored. Killed. Shot.

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I do not ask for their love. All I ask for is their memory.

I remember your torn wing.

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Your black beauty, I remember, little hybrid. Your broken foot. The balance of wing and claw. 

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I remember the day you were born.

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Your first nut. Your first flight.

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The day you scratched your first pigeon shadow.

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The day I protected you from a hawk. Do you recall the sudden silence of the wind when I interfered?

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I remember the day you met your first strange bird from the East, and you did not attack it, but shared your findings. And it shared a song, and a light, and a long beaked story in return.

Do you remember ?

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And now the rooks come and join in, join in our ride, and in our winter song. Can you hear them sing? How lonely they must feel, all wrapped up in one song. Always the same song.

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Shadows on the wall. Shy, and utterly untrusting. I wish I could tell them about us.

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And still: They are light savers. They eat the city, and swallow it whole, and turn it into a song.

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What more can you ask from your guests?

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Mercado. [Nowness, and a fish to sigh for.]

Ich will auf den Markt. Alle wollen auf den Markt, und einmal im Leben will ich tun, was alle tun. Dazu sind wir schließlich hier. Normalprogramm.

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Wir kommen von der Seitenlinie, der Fischlinie. Ich bin nicht sicher, was alt ist und was neu. Es kommt mir vor wie in der Zunfthalle in Moabit. Am Leben erhalten, was alle am Leben erhält. Warum nicht. Es gibt schlechtere Ambitionen.

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Es ist 15:00 Uhr. Wir sind lange oben gewesen in Monte, bei den Blumen, bei den träumenden Kois. Hier unten ist nicht mehr viel Leben übrig, nicht einmal mehr viel Tod. Ich stehe an den beiden Tischen mit dem schwarzen Degenfisch. Espada. Dem Fisch, um den sich hier alles dreht. Aphanopus carbo. Etwas Unsichtbares steckt in seinem Namen, etwas Verlorenes.

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Er lebt da, wo es am dunkelsten ist. In den unterseeischen Gebirgen, bis zu 2000 Metern Tiefe. Wenn er nur dort bliebe. Wenn er nur dort im Dunkeln bliebe. Wenn er nur nie aufstiege ans Licht, nachts, denn dort warten schon die Fischer auf ihn, warten seit hunderten von Jahren, warteten schon, als Europa noch keinen Namen für ihn hatte, und das Licht ändert seine Farbe von flammendem Kupferrrot ins Nichts. Wenn sie ihn dann häuten, ist er schneeweiß. Ein Schachbrett aus Fisch liegt vor mir; und er hat jeden Zug verloren. 

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Ich verliebe mich in seine Zähne, seinen starren Blick, sein stummes Schwarz. Aber das wusste ich schon vorher. Auch das gehört dazu: das Normalprogramm aushalten. 

Espada. Hier essen sie ihn, tagein, tagaus, mit kleinen Inselbananen, com batata, gegrillt, gekocht, gedünstet, paniert, mit und ohne Knoblauch, im billigsten Lokal, im hintersten Winkel, das müssen Sie essen, sagt man uns, davon lebt die Insel, sage ich mir, und ich esse ihn, ein-, zweimal, und er schmeckt wundervoll, fest, weiß, saftig, wie es Fische nun einmal tun, die ihren Preis haben. Es ist schwer, ihn nicht essen zu wollen. Er wehrt sich mit Schwermetall. Aber danach fragt keiner hier.

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Hier ramscht man ihn heraus zum Preis von zwei Buletten. Und ich schäme mich vor diesem Jäger ohne Schuppen und mache ihn zu einem Muster für mich, aber nicht zu einem Muss. 

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Nebenan liegt noch ein Rest Bacalhao, aber ich habe den Appetit verloren, auch am Zusehen.

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Wir gehen eine halbe Treppe zu Gemüse, Obst und Hülsenfrüchten. Vielleicht ist es hier besser.

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Aber es ist auch hier wie immer. Das Kunterbunte ist es nicht, ich finde keinen Halt in der Vielfalt, ich suche und weiß, wenn ich hier jemanden fotografiere, komme ich mit dem Ergebnis nicht zurecht. Sie leben davon, was sie tun. Ich würde ja etwas bezahlen wollen, und dann wäre vermutlich alles gut, für ein paar Münzen, aber alles wäre anders als vorher, steifer, fremder, und ich stehle ihnen ein paar trotzige Augenblicke, weil ich diese Menschen besser sehen will, aber eben genau das will ich ja nicht: Sie bestehlen. 

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Ich will immer nur dieses eine, geschenkte Licht. Verdammtes, ewiges ethisch-melancholische Dilemma. Ich werde niemals Gesichter sammeln können. Egal, wie hungrig ich nach ihnen bin. Egal, was andere davon hätten. Manche Geschichten kann ich nicht. Egal, wie sehr ich sie liebe. Lass uns nach oben gehen, sagst du, weil du mich lesen kannst, wie sonst keiner.

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Und oben ist es eben auch wie immer. Auf der Galerie finde ich, was ich suche, aber nicht erwartet habe, zu meinen Füßen. Und alles ist gut. Und auch das Licht flüstert: Alles. Ist. Gut. Wie klein sie sind, diese Inseltauben, wie sauber, wie schön. Unten am Meer finde ich sie wieder, in ihren Höhlen. Dort, wo sie zuhause sind. Es sind Felsenvögel. Luftläufer. Piratenkinder.

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Ich habe Hunger, sage ich, und alles ist gut, wenn ich Hunger habe, und wir fallen in zwei Touristenkorbstühle auf dem Dach und essen Touristenessen.

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Es gibt genau zwei Sorten Wein, weiß und rot. Tinto. Branco. 

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Und acht Sandwiches. Und ich muss genau zwei Entscheidungen treffen (Rot//Käse, Schinken,Tomaten, Kräuter) und muss mich um niemanden sorgen. Nicht einmal um mich. 

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Wenn nur immer alles so einfach wäre.

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Als ich gehe, frage ich, was ich da getrunken habe, und der junge Kellner weiß es nicht, aber er holt den Geschäftsführer, und der holt die Flasche und wir lesen zusammen das Etikett. Einen Preis hat er auch bekommen, sagte er, in bestem Englisch, an award, und ich bin so daheim auf dieser Dachterrasse mit crisps ready salted und englischem Akzent und Blick in die Wäscheleinen und Jalousien einer fremden Stadt wie schon lange nicht mehr, noch beim Gehen, und ich vergesse dabei völlig und für immer, ob es nun ein Quinto, Quintas, oder Quintos war.

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Lassen wir doch heute einfach alle Fünfe gerade sein. 

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Who cares. I can always come back. Morgen schon. Was für ein wunderbarer Gedanke. Ich kann wiederkommen. Ich begreife das erst jetzt, hier. Schon die Rechnung ist von übermorgen. Wir sind zurückgekommen. Vielleicht ist es ja das, warum alle anderen immer so viel reisen: Um vielleicht irgendwann einmal wieder zurück zu kommen.

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Ick bin all hier

Später, Stunden später, im Hotel, das ältliche Ehepaar an der Rezeption: We know you, sagen sie zu Silva, der ewig mürrischen Königin der zona turistica. We have been here before. We have been trying to come back for eight years. The time was never right. Now we are here.

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