2010/2011

Elephant
Einen Elephanten bräuchte man. Einen Elephanten aus erdwarmer, schwerer, faltenreicher Haut; und jede Falte wäre eine geborgene Erinnerung.

Weißt du noch?, würde man gelegentlich zu ihm sagen und ihn in die Seite stoßen, nicht zu fest, nicht zu fordernd, und er würde freundlich nicken, und den Rüssel schlenkern würde er, von links nach rechts und von rechts nach links, und immer ein wenig zuviel Staub aufwirbeln dabei würde er, wie es nun mal Elephantenart ist.

Ja, würde er dann sagen, genau einmal, mit dieser beruhigenden Stimmlage, wie nur Erdfarbe sie malt, jedesmal. So verlässlich wäre er: wie alte Erde, wie alles aus dunklem Ton.

Später, nach den ersten hundert Jahren vielleicht, an einem schläfrigen Nachmittag, da könnte man sich schon einmal an ihn lehnen, nicht zu vertraulich – hundert Jahre sind zu kurz für Vertraulichkeiten – aber schwermütig und liebevoll und gar nichts fragend, und nur so da stehen würde man, an seinen Elephanten gelehnt und warten, bis wieder einmal etwas vorbeiflatterte, etwas aus hastigen Flügeln und rastloser Zeit, das um Aufmerksamkeit heischte, und erst dann würde man in sein Ohr flüstern, das linke vermutlich, fragend, weißt du noch?, und schon um die Antwort wissen, und den Arm um seinen Hals legen würde man, und die eigenen Falten und seine würden zu einer neuen Erinnerung, und die Haut hinter seinem anderem Ohr ein wenig kraulen würde man, als ob es ein Katzenohr wäre, ein staubtrockenes, blutwarmes Ohr, und wieder würde er nur nicken und sagen:

Ja.

So einen Elephanten bräuchte man.

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