Mourning wears a layer of crow
Ich brauche sechs Jahre, um dieses Bild zu malen. Sechs Jahre bin ich schon wieder in der kleinen Stadt, und immer noch kann ich mich nicht entscheiden zu bleiben, die Übergangswohnung, die nur ein Zimmer ist, aufzugeben, mich zu vergrößern, denn das hieße ja, eine Entscheidung zu treffen. Im Mai will ich sowieso nirgends anders aufwachen als unter dem Birkenlicht hier am Galgenberg. Im Mai will ich sowieso keine Entscheidungen treffen. Der Mai ist viel zu dicht gepackt mit Tod und Erinnerungen, da passt nichts anderes, als zu bleiben, wo man ist. Mein Mai ist nichts zum Pläneschmieden. Und als ob sie das gehört hätte, krächzt die Galgenbergkrähe dreimal in meinen Traum, und wie immer wache ich lächelnd auf davon, längst schon nicht mehr hoffend, nicht auf die Windgesellen hier, aber nur so, über alles noch Fedrige in meinem Leben, und alles, was sich seit Jahren nun schon wiederholt. Wie wichtig Rituale werden mit der Zeit. Das Wiederholen. Das Sein.
Wie nah sie klingt, viel näher als sonst, und ich erinnere mich an letzte Woche, als ich beim Erinnerungensammeln in der Stadt in meiner Tasche krame, und wie es plötzlich neben mir und in mein Ohr nebelkrähenschnurrt, ganz nah, ganz weich, vertraut. So wie dort wird es hier nie sein. So muss es hier nie sein, murmele ich im Halbschlaf, und ich mache die Augen auf und sehe Schwarz, ganz weich, ganz federschwarz.
Und sie rutscht auf dem Geländer entlang, vorsichtig, vorsichtig, und bis auf die Farbe und die geduckte Angst könnte es eine von meinen sein, und ich liege ganz still, und erst als sie wieder verschwunden ist mit drei gestohlenen, geschenkten Märchenmandeln, setze ich mich auf und schüttele mir die Kissen zurecht, wie eine Krankenschwester, und male mit dem Finger auf Glas, wie ein Kind, und halte mir fest, was ich sonst immer nur mit meinem bisschen Licht festhalten kann, in der Stadt, und Schicht für Schicht wird alles eins, Grau, Grün und Schwarz, und jetzt und hier und dort.
